Willkommen bei Rainer Czisch - Sanitär- und Heizungstechnik - Gebäudeenergieberater im Handwerk
 Willkommen bei Rainer Czisch - Sanitär- und Heizungstechnik - Gebäudeenergieberater im Handwerk

Meine kritischen Überlegungen zur Energiewende       (im Dezember 2016)

 Ihre ( und auch meine! )  schwierigen Entscheidungen für die richtige Zukunftstechnologie

 

Erst traf es die Autofahrer:

Wir erinnern uns: Nachdem die Bundesregierung 2006 eine Verordnung über Umweltzonen mit 4 Schadstoffklassen verabschiedet hatte, richteten ab Inkrafttreten im März 2007 viele Städte Umweltzonen ein, um die Belastung der Luft mit Feinstaub und den Stickstoffdioxiden (Co2) als sogenannte Treibhausgase einzudämmen. (Kohlendioxid (CO2) wird u.a. bei der Verbrennung fossiler Energieträger frei)

Fahrzeuge mit Ottomotor ohne Katalysator oder mit ungeregeltem Katalysator erhielten keine Umweltplakette. Wer eine grüne Plakette erlangen wollte, musste einen geregelten Kat nachrüsten, um in die begehrte Emissionsklasse Euro 1 zu gelangen. Dieselfahrzeuge erhielten seinerzeit überwiegend eine gelbe oder gar rote Plakette. Aber auch Halter von Dieselfahrzeugen konnten (durch die Bundesregierung gefördert!) z.B. Rußpartikelfilter nachrüsten, um in eine bessere Schadstoffklasse zu gelangen.

Zunächst hatte die Bundesregierung mit dieser Maßnahme einen Umdenkungsprozess bei den Bürgern und eine Sensibilisierung der Autofahrer für das energie- und klimabewusste Verhalten ausgelöst. Wissenschaftliche Studien wurden erhoben und viele konnten allerdings die gepriesene Verbesserung der Luftqualität gar nicht belegen. Es gab auch Einzeldiskussionen, dass Benziner mit Kat einen deutlich höheren Benzinverbrauch hätten. Und natürlich gab es auch die Kritik, dass Industrieanlagen, Kommunalfahrzeuge, Baumaschinen, Eisenbahnen oder auch Schiffe nicht ebenso mit Umweltplaketten sanktioniert wurden. Dies war eine Zeit, zu der Dieselfahrzeuge gegenüber den Benzinern von der Bundesregierung noch mit den verschiedensten Mitteln, wie z.B. eine geringere KFZ-Steuer, gefördert wurden.

Damals dachte niemand über weitere mögliche Konsequenzen nach. Aber wenn schon farbige Plaketten am Auto angebracht wurden, so geschah das schließlich nicht ohne politischen Hintersinn! Und heute nach über 10 Jahren wissen wir: Fahrzeugen mit gelber oder roter Plakette sind eine aussterbende Spezies, weil diesen Fahrzeugen heute das Befahren der Innenstädte weitgehend verboten ist.

Ohne Hellseher zu sein: Auch den Fahrzeugen mit der grünen Plakette wird es in allernächster Zukunft „an den Kragen“ gehen. Viele der oben geschilderten Unkenrufe haben sich bewahrheitet: Der CO2-Ausstoß in den vergangenen 10 Jahren hat sich nämlich trotz dieser Maßnahmen keineswegs verringert!

(siehe auch www.heizungsbau-czisch.de/Fachbegriffe von A-M „Co2“)

 

Weltweit wurde 2015 mit einem Ausstoß von fast 36 Milliarden Tonnen CO2 der bislang höchste Wert erreicht. Und wenn das Land NRW in diesem Zusammenhang stolz verkündet, entgegen der internationalen Trendentwicklung hätten die CO2-Emissionen in NRW seit 1990, also in 26 Jahren, um rd. 13 Prozent gesenkt werden könnten, so bedeutet das doch lediglich eine Mini-Ersparnis von 0,5 % pro Jahr! (2014: 260 Mio. t CO2-Emissionen). Diese Mini-Ersparnis könnte schlicht mit dem Strukturwandel vom Industrieland NRW zum Dienstleistungsland NRW erklärt werden und hat möglicherweise  mit gesetzlichen Erfolgen nichts zu tun.                (6) (7)

Heute haben die an der Gesetzgebung beteiligten Fachleute und Parteien einen weiteren Umweltschädlingling entdeckt: Den Feinstaub! Feinstaub kann natürlichen Ursprungs sein (beispielsweise als Folge von Bodenerosion oder auch durch vulkanische Tätigkeiten) Im wesentlichen wird Feinstaub durch unsere Tätigkeiten erzeugt: Feinstaub entsteht einerseits durch Abgase von Kraftfahrzeugen. Aber Feinstaub entsteht auch durch Bremsen- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes von der Straßenoberfläche. Als weitere Quelle von Feinstaub gelten die Kraftwerke, Öfen und Heizungen und die Metall- und Stahlerzeugung. Auch beim Umschlagen von Schüttgütern entstehen Feinstäube. Dabei wird alleine ein Fünftel des Feinstaubs beispielsweise durch Baumaschinen verursacht.    (1) 

(siehe auch www.heizungsbau-czisch.de/Fachbegriffe von A-M „Feinstaub“)

Eine weitere wichtige Feinstaubquelle ist die Landwirtschaft: Die Emissionen gasförmiger Vorläuferstoffe, insbesondere die Gülle aus der Massentierhaltung trägt mit Ammoniakemissionen zur sekundären Feinstaubbildung bei. Primärer Feinstaub entsteht direkt an der Quelle, zum Beispiel bei Verbrennungsprozessen. Entstehen die Partikel durch gasförmige Vorläufersubstanzen wie Schwefel- und Stickoxide und Ammoniak, so werden sie als sekundärer Feinstaub bezeichnet. Feinstaub ist deswegen so gefährlich, weil die mikroskopisch kleinen Partikel fähig sind, in die Lungenverästelungen und sogar in den Blutkreislauf einzudringen und damit Krankheiten auslösen können.  Es gelten daher seit einigen Jahren europaweit enge Grenzwerte, deren Grenzen durch den Gesetzgeber immer weiter herabgesetzt werden (nächste noch schärfere Stufe: ab 01.01.2020)

(siehe auch www.heizungsbau-czisch.de/Fachbegriffe von A-M „Feinstaub

Vor diesem Hintergrund entwickelte die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dann Ende 2014 einen Gesetzentwurf, für Fahrzeuge mit der Schadstoffklasse Euro 6 eine blaue Plakette einzuführen. Nur diese Fahrzeuge hätten dann in Umweltzonen fahren dürfen. Dies hätte aber NICHT für Autos gegolten, die noch bis September 2015 mit der Schadstoffklasse Euro 5 (bis 160 mg Stickoxide pro km) verkauft wurden! Aktuell erfüllen nämlich nur wenige Dieselfahrzeuge die Euro 6 Norm (nur noch bis 80 mg Stickoxide pro km). Die Einführung der blauen Plakette würde daher für über 14,5 Millionen Fahrzeuge – und damit für zwei Drittel aller Dieselfahrzeuge ein Fahrverbot in Städten bedeuten.      N o c h   - zumindest bis Ende 2017 - hat das Bundesministerum für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit diese Ideen gestoppt….. (Aber wie gesagt: wir brauchen keine Hellseher zu sein, um voraussagen zu können, dass in naher Zukunft auch die Fahrzeuge bis Schadstoffklasse 5 – das sind die bis September 2015 produzierten Dieselfahrzeuge  - aus dem Stadtverkehr verschwinden müssen…) Während die Laien noch über Sinn oder Unsinn der blauen Plakette diskutieren, sind im Hintergrund aber schon längst die Weichen für eine noch stärkere Einschränkung der Abgasgrenzen gesetzt! Die bisher kaum publizierte - aber bereits beschlossene!! - Abgasnorm Euro 6 C ab September 2017 begrenzt dann den Ausstoß der krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK)  von OTTOmotoren mit Direkteinspritzung auf nur noch ein Zehntel des derzeitigen Rußpartikelausstoßes.  Ab 2018 gilt diese neue Abgasnorm für alle ab diesem Zeitpunkt neu zugelassenen Autos. Dann wird der heute übliche geregelte Katalysator für Benzinmotoren nicht mehr ausreichen, um die neuen Grenzwerte einzuhalten. Nach derzeitigem Stand der Technik erfordert dies dann zusätzlich zu dem geregelten Kat einen zusätzlichen Partikelfilter auch für Benziner! Das glauben Sie mir nicht?? Da bin ich heute im Dezember 2016 einfach mal ein Hellseher!

Die Umweltdiskussionen treffen auch die Betreiber und Nutzniesser von Heizungsanlagen: Die UN-Klimakonferenz schreibt in ihrem Klimaschutzplan von 2015 vor, den derzeitigen Ausstoß von rund 200 Millionen Tonnen Co2 im Gebäudebereich bis zum Jahr 2030 auf 72 Millionen zu reduzieren. Im Klimaschutzplan für 2050 ist verankert, dass dann nur noch 5 – 20 % der derzeitigen Treibhausgasmengen in die Atmosphäre gelangen dürfen. Rein rechnerisch wäre dazu die Modernisierung sämtlicher Heizungsanlagen in der Bundesrepublik Deutschland nötig. Von den 18 Millionen bestehender Heizungsanlagen werden trotz staatlicher Förderung jährlich bisher aber nur 2 % erneuert. Mit dem derzeitigen Sanierungstempo sind diese gesetzlichen Vorgaben daher nicht zu schaffen (Also muss hier ein Anreiz bzw. ein Druck aufgebaut werden!)

Nach Vorgaben der EU müssen ab 2019 alle öffentlichen Neubauten den "Niedrigst"-Energiestandard nach dem (noch gar nicht in Kraft befindlichen) neuen GEG (Gebäudeenergiegesetz) erfüllen.  Den Begriff "Niedrigstenergiestandard" hat man aber bisher noch gar nicht näher definiert. Der öffentlichen Hand werden aber zahlreiche „Schlupflöcher“ geboten. Dies z.B. dann, wenn die Einhaltung des gesetzlichen Standards „...mit Mehraufwendungen verbunden sind, die nicht unerheblich sind“ . Ausnahmen gibt es auch für überschuldete Kommunen.

Ab 2021 trifft diese Verpflichtung, nur noch nach den "Niedrigsenergiestandard" bauen zu müssen, voraussichtlich auch alle privaten Neubauten. (Die Hellseher unter uns wissen schon, dass dann den privaten Bauherren die vorgenannten Schlupflöcher oder Ausnahmen nicht angeboten werden...)

(siehe auch www.heizungsbau-czisch.de/ „Aktuelles“)

Also wird auch hier der Gesetzgeber massiv „die Daumenschrauben anziehen“, um zu dem gewünschten Ziel einer erfolgreichen Energiewende zu gelangen.

Ein Beispiel sehen wir in der bereits ab 01.01.2017 geltenden Öko-Design-Verordnung. Die Bundesregierung verpflichtet die Eigentümer von Heizungsanlagen, die älter als 15 Jahre sind, zum Führen eines Effizienzlabels. Dabei setzt die Bundesregierung angesichts des verpflichtenden Energieaufklebers darauf, dass die Hauseigentümer freiwillig ihre ineffiziente Heizungen erneuern. Einen solchen Aufkleber kennen Sie schon von vielen Elektrogeräten. Nun müssen Bezirksschornsteinfeger, Heizungsinstallateure oder Energieberater die Heizungsanlagen, die älter als 15 Jahre sind, gemäß ihrer Effizienz mit einem Energielabel kennzeichnen. Dabei müssen wir uns vor Augen führen, dass Heizkessel in Deutschland im Durchschnitt rund 18 Jahre alt sind. Und ein gutes Drittel der Heizungsanlagen sind deutlich älter als 20 Jahre alt! …Und unsere Erfahrungen mit den Schadstoffplaketten an unseren Autos zeigt wieder einmal, dass wir keine Hellseher sein müssen, um in Bezug auf die Effizienzaufkleber an unseren Heizungsanlagen die Auswirkungen in nächster Zukunft zu erahnen...

(siehe auch www.heizungsbau-czisch.de/Fachbegriffe von A-M „Energielabel“)

Empfehle ich als SHK-Fachbetrieb  meinen Kunden, ihre alten Heizungsanlagen zu erneuern, gerate ich in den Verdacht, doch nur „verdienen“ zu wollen. Für mich ist aber  viel entscheidender die Frage,  w e l c h e   Technologie ich meinen Kunden guten Gewissens für die Zukunft empfehlen soll. Denn das was derzeit - auch von der Bundesregierung – empfohlen wird, hat schon spätestens morgen keinen Bestand mehr: Die nun forciert betriebene Energiewende stellt gewohnte Geschäftsmodelle und Gewohnheiten auf die Probe - und bietet zugleich Raum für neue, weil der Übergang von fossiler zu erneuerbarer Energie die Struktur des Energie-Versorgungs-Systems grundlegend umkrempelt.

 

Beispiel: Pelletöfen und Pelletheizungen:

Derzeit liegen noch die als ach so umweltfreundlich und CO2-neutral gepriesenen Anlagen für die Verbrennung von Holzhackschnitzeln oder Pellets oder Scheitholzkessel als Bausteine der Energiewende im Trend. Sie werden daher von der Bundesregierung sogar noch subventioniert mit der Begründung, bei der Verbrennung würde nur das CO2 freigesetzt, das vorher vom Holz gespeichert worden war. „Vergessen“ wurde bei der dieser Argumentation allerdings, dass bei der Gewinnung und Produktion der Pellets durchaus eine erhebliche CO2-Belastung entsteht, nämlich angefangen bei den Abgasen der Motorsägen und Waldbearbeitungsmaschinen bis hin zu den erheblichen Abgasen der weitgehend mit Schweröl betriebenen Transportschiffe auf den Transportwegen des Holzes von Argentinien, Kanada und Skandinavien zu uns. Es darf auch nicht vergessen werden, dass das industrielle Zerkleinern, Erwärmen und Trocknen des Holzes bzw. der Holzspäne einerseits erhebliche Mengen CO2 freisetzt, andererseits auch Autooxidationsprozesse in Holzbestandteilen auslöst. Aus ungesättigten Fettsäuren entstehen dann Gase, wie das gesundheitsschädliche Kohlenmonoxid (CO) und verschiedene Aldehyde. Selbst noch Monate nach der Herstellung können die Pellets diese Gase freisetzen. Die Konzentration kann in Pellet-Lagerräumen so hoch sein, dass es zu schweren Vergiftungen bei Personen kommen kann, die die Räume betreten. Es wurden vereinzelt bereits  Fälle von zum Teil tödlichen Kohlenmonoxidvergiftungen gemeldet, die bei Personen auftraten, die sich in Lagerräumen von Holzpellets, so genannten Pelletbunkern, aufgehalten hatten oder sie zu Wartungszwecken betreten wollten. Kohlenmonoxid ist farblos und geruchlos, so dass auch eine hohe Konzentration des Gases vom Menschen nicht wahrgenommen werden kann.    (10)       

(siehe auch: www.heizungsbau-czisch.de/Fachbegriffe von N-Z „Pellets“

Nun ist bei der Holzverbrennung auch der „Umweltfeind“ Feinstaub entdeckt worden. Nicht umsonst gelten bereits seit 2015 für neue und alte Kamin- und Kachelöfen deutlich strengere Regeln für den Ausstoß von Staub und Kohlenmonoxid, so dass Pelletöfen der ersten Generation bereits stillgelegt werden mussten. Holzpelletheizungen haben nämlich bis zu 1.200-mal ! mehr Feinstaub als Öl- und Gasheizungen verursacht! Und auch beim Ausstoß von Kohlenmonoxid (CO) und Stickoxiden (NOx) schneiden Öl- und Gasheizungen deutlich besser ab als die Pelletheizungen. Die Feinstaubemissionen moderner Ölheizungen sind nämlich sehr gering. Beim Betrieb mit dem heute gebräuchlichen schwefelarmen Heizöl liegt die Feinstaubbelastung von Ölheizungen sogar auf vergleichbar niedrigem Niveau wie die von Erdgasheizungen.  (2) 

(siehe auch www.heizungsbau-czisch.de/Fachbegriffe von N-Z „Pellets“

Konkret wurden in einer über 4 Jahre dauernden Studie der Universität Stuttgart folgende Staubemissionen bei Pelletverbrennung (Summe aus filterbaren und kondensierbaren Stäuben) ermittelt:

– Heizöl EL schwefelarm mit Biobeimischung   0,027 -  0,029 mg/MJHi
– Heizöl EL schwefelarm                                   0,026 -  0,046 mg/MJHi
– Heizöl EL Standard                                         0,380 -  0,415 mg/MJHi
– Erdgas H                                                                      0,010 mg/MJHi
– handelsübliche Holzpellets                           23,000 - 42,000 mg/MJHi                  (3)

Die Bezirksregierung in Frankreich hat diese Erkenntnisse zur Feinstaubbelastung bereits umgesetzt und ein Kaminverbot für Paris ausgesprochen.

Ausserdem ist die Asche gesundheitsschädlich und enthält organische Verbindungen, die sie z.B. als Dünger für den Garten ungeeignet macht. Die Rückstände müssen entsorgt werden. Darum muss sich der Heizungsbesitzer selbst kümmern. Keine unbedenkliche Sache, denn das regelmäßige Säubern ist mit Staubentwicklung verbunden. Die übrig bleibende Asche kann eventuell bei der Zementherstellung verwendet werden und dort Stoffe ersetzen, deren Produktion bisher viel Kohlenstoffdioxid freisetzt. Zumindest wird derzeit in diese Richtung geforscht.            (8)

Auch zur Preisfrage müssen wir unsere Kunden informieren.  Wir geben zu bedenken, dass bei der Erstellung meines Artikels im Januar 2017 1000 kg Pellets 255,37 € kosteten. Bei einer Umrechnung auf den Heizwert pro kwh ergeben sich aktuell (Stand Februar 2017) folgende Preise:  Erdgas:  6,10 ct/kwh;  Heizöl: 5,83 ct/kwh und Pellets: 5,07 ct/kwh       (9)

Früher kauften nur die Papier-, Spanplatten- und Möbelhersteller das Abfallholz auf. Jetzt ist der Pelletmarkt mit einem erheblichen Holzbedarf hinzugekommen, weil auch Energieversorger immer mehr Holz benötigen. Vor allem in England, aber auch in den EU-Staaten Belgien, Frankreich, Niederlande oder Dänemark werden alte Kohlekraftwerke – die wegen der Umweltauflagen geschlossen werden mussten – auf den Betrieb mit Holzpellets umgerüstet. Sie verschlingen dann Hunderttausende bis Millionen Tonnen Holz im Jahr. Deutsche Energiekonzerne sind weltweit bemüht, sich weit im voraus den Holznachschub für ihre Biomassekraftwerke zu sichern. Der Bedarf ist so hoch, dass es erhebliche Lieferungen von Argentinien nach Italien und von Kanada nach Deutschland gibt. Der Export von Holz nach Deutschland ist ein lohnenswertes Geschäft geworden und hat eine Kundenkonkurrenz zwischen Energiekonzernen und Privatwirtschaft geschaffen. Deswegen waren im Winter 2014/2015 zeitweise Pellets ausverkauft und ein massiver Lieferengpass entstand. Folge: Der Preis steigt für Holzpellets unverhältnismäßig stark und wird bereits in allernächster Zukunft die Preise für Öl und Gas überholen. (Ich schätze, dieses wird bereits in wenigen Monaten der Fall sein!)

Meinen Kunden kann ich Holzpelletöfen also nicht ohne vorgenannte einschränkende Überlegungen empfehlen, jedenfalls keineswegs aus Umweltgründen.

 

Und auch die Autofahrer bleiben weiterhin politisches Thema:

Während noch vor kurzem Strom als teuer verrufen war, werden heute Elektroautos als umweltfreundlich, weil abgasfrei hervorgehoben. Die Bundesregierung hat daher die Steuerbefreiung für Elektroautos rückwirkend zum 01.01.2016 von 5 auf 10 Jahre verdoppelt. Auch hier wurde bei allen Anpreisungen geflissentlich „vergessen“, dass  Strom derzeit nicht ohne Emissionen zu haben ist!

 

In der Bundesrepublik Deutschland wird der Strom nämlich bisher (Stand 2016) lediglich zu knapp einem Drittel (31 %) regenerativ durch Windkraft, Solarenergie pp. erzeugt.      (4)       

Die restlichen zwei Drittel des benötigten Stroms werden immer noch durch herkömmliche Öl-, Steinkohle- oder Braunkohlekraftwerke erzeugt.  Derzeit liegt der Ausstoß der Kraftwerke zur Produktion einer Kilowattstunde Strom bei immer noch etwas über 500 Gramm Kohlendioxid.           (5)

Jeder, der – auch per Elektroauto - Strom verbraucht, ist also an diesem Schadstoffausstoss beteiligt!

 

Damit ist aber der Betrieb der Elektroautos keineswegs so umweltfreundlich wie angepriesen. Die meisten derzeitigen Elektroautos (VW e-Golf, Nissan Leaf 30, BMW i3, Renault Zoe) haben Batteriekapazitäten von 20 - 30 Kilowattstunden. Bezogen auf deren übliche Reichweite liegt daher der Anteil der genannten Elektroautos am Kohlendioxidausstoß der Kraftwerke bei 80 – 100 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer.

 

Natürlich ist zu erwarten,  dass die Elektromobilität stärker vorangetrieben wird. Immerhin sind die Pläne der Bundesregierung so hochtrabend, dass bis 2020 eine Million E-Autos in Deutschland unterwegs sein sollen. Aber woher sollen diese kommen? Die Mühen einer exacten Planung des regenerativen Zukunftssystems hat die Politik vermieden. Hingegen die Autohersteller bemühen sich bereits seit längerem, Elektro-Modelle mit akzeptablen Reichweiten anzubieten. Aber die Infrastruktur, insbesondere der Ausbau der Verteilnetze (als teuerster Teil der Infrastruktur) hinkt weit hinterher, auch wenn offshore wie onshore bereits gewaltige Investitionen getätigt werden hinsichtlich Ausbau der Windkraftenergie.  Die von der Politik so propagierte Elektromobilität verlangt auch eine neue Definition zur Gestaltung der Strompreise, da diese Investitionen derzeit voll auf die Strompreise durchschlagen! Wegen des Trassenausbaus sind in den Tarifgebieten, in denen viel gebaut wird,  massive Preiserhöhungen gegenüber den Preisen des Vorjahreszeitraums zu erwarten. Analysten prophezeien beim Strom bis zum Jahre 2020 Preiserhöhungen von über 70 %! Schon jetzt liegen die Energiepreise der deutschen Haushalte beim Strom 4 x so hoch wie beim Erdöl oder Ergas.   (13)  

Dabei ist der Staat durchaus an den hohen Strompreisen mit beteiligt, nämlich über die sogenannte EEG-Umlage, die wir Stromverbraucher zahlen müssen. Diese EEG-Umlage hat sich in den letzten 5 Jahren von 2012 bis zum Jahre 2017 von 3,592 Cent/kwh auf rund 7 Cent/kwh verdoppelt.      (14)

 

Sofern das umweltpolitische Ziel einer Steigerung von Elektromobiliät erreicht werden soll, muss auch der überfällige Netzausbau umfassender realisiert werden. Elektromobilität macht nur dann klimatechnischen Sinn, wenn Sie Ihre Ladestation für Ihr Elektroauto auch wirklich mit Ökostrom versorgen können oder wenn Sie dazu den Strom aus Ihrer eigenen Solaranlage nutzen können.

Gleiche kritische Überlegungen gelten im übrigen auch für die Elektro-Wärmepumpe, die früher ein Nischendasein führte und heute als gepriesene – und geförderte - Zukunftslösung dastehen soll.  Auch dies kann nicht unwidersprochen bleiben: Hierbei müssen wir zunächst kritisch das Maß für die Effizienz einer Wärmepumpe, nämlich die Jahresarbeitszahl, betrachten. Sie stellt das Verhältnis der Nutzenergie in Form von Wärme zur aufgewendeten Verdichterenergie in Form von Strom dar. Ein Beispiel dazu: Wenn die Hersteller von einer Jahresarbeitszahl = 4 sprechen, dann meinen sie, dass 25% Strom erforderlich ist, um zusammen mit 75% Umweltwärme (Luft, Erde oder Wasser) 100% Wärme erzeugen zu können. Also: (je höher die Jahresarbeitszahl, umso besser) Hierzu zum Vergleich:  Bei Kohlekraftwerken kann aus drei Teilen Wärmeenergie nur ein Teil Strom gewonnen werden. Um die erheblichen Mehrkosten gegenüber einem Brennwertkessel in Höhe von immerhin 8.000 € bis 16.000 € zu rechtfertigen, muss dieses Verhältnis auch bei Wärmepumpen mindestens 3 betragen. Erst ab dieser Jahres-Arbeitszahl können Elektro-Wärmepumpen überhaupt nennenswert zum Klimaschutz beitragen. Ein Feldtest im Jahre 2008 ermittelte dabei unter praktischen Bedingungen einen Mittelwert der ermittelten Arbeitszahlen von Sole-Wasser-Wärmepumpenanlagen  von 3.8. Für die  erfassten Luft-Wasser-Wärmepumpen-Anlagen betrug die mittlere Arbeitszahl im Jahr 2008 inklusive elektrische Zusatzheizung 3.0. und für die getesteten Wasser-Wasser-Wärmepumpenanlagen lag der Arbeitszahlenmittelwert bei 3.5. Ein Grund für die im Feldversuch ermittelten relativ bescheidenen Jahres-Arbeitszahlen war der - natürlich mit zu berücksichtigende - hohe Stromverbrauch der Brunnenpumpen, die deutlich höhere elektrische Leistungen als die Solepumpen aufweisen.       (11)  (12)

 

Für strombetriebene Wärmepumpen und bei der stärkeren Nutzung von Elektroautos sind wir daher darauf angewiesen, die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien erheblich zu verbessern.

Dabei sei nur noch am Rande darauf hingewiesen, dass die im Wärmepumpen verwendeten Kältemittel auch  noch zur Problematik der Umweltbelastung beitragen könnten: Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die seit den 40er Jahren als Kältemittel eingesetzt wurden, waren zwar nicht giftig und nicht brennbar, schädigten jedoch die Ozonschicht. Sie wurden daher 1995 verboten. Die dann folgenden Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) schädigten zwar nicht unmittelbar die Ozonschicht, waren aber mitverantwortlich für den Treibhauseffekt. Eine andere Alternative wie Propan, war brennbar und damit insoweit mit Risiken behaftet. Bleiben derzeit noch die nicht brennbaren Alternativen Ammoniak (NH3) oder Kohlendioxid (CO2) --- wobei sich der Kreis wieder bei der doch eigentlich so dringend zu vermeidenden CO2-Erzeugung schliesst!

 

Wir blicken energiepolitisch in eine unklare Zukunft. Eines ist aber in jedem Falle sicher: Wir wissen, dass der nun eingeschlagene Weg zum Megatrend eines regenerativen wie heterogenen - also völlig umgekrempelten - Energiemarktes völlig richtig,  dringend notwendig und daher unumkehrbar ist.  Auf diese Entwicklung muss ich daher heute schon mit sorgfältiger und allumfassender Information wie der vorliegenden und entsprechende Beratung meiner Kunden reagieren.

 

           Rainer Czisch

           Duisburg, im Dezember 2016

 

 

  (1)        Christel Blanke: JAHRESBERICHT UMWELTBUNDESAMT – Feinstaub aus zu vielen Rohren,  Deutschlandfunk „Wirtschaft und Gesellschaft“ vom 19. August 2014

  (2)          Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik (IFK) unter der Leitung von Dr. Michael Struschka im  Auftrag des IWO         

 (3)         https://www.immissionsschutzdigital.de/IMS.01.2010.023)

  (4)          Quelle: Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

  (5)         Energie in Deutschland (XLS; 0,1 MB) BMWi

  (6)  (7)     Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen; energergiestatistik-NRW

  (8)         Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik (IFK) (vormals: Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen –IVD) an der Universität Stuttgart

  (9)         DEPV Deutscher Energieholz + Pelletverband

  (10)       Bundesinstitut für Risikobewertung, Veröffentlichung 19/2014 vom  17.07.2014

  (11)       „Feldtest Elektro-Wärmepumpen“ 10/2006-10/2008 der Gruppe Umwelt/Energie Lahr in Zusammenarbeit mit der Ortenauer Energieagentur in Offenburg

  (12)      „WP-Effizienz“  von 2006 des Fraunhofer-Instituts für Solare Energie Systeme ISE, Fördernummer 0327401A des BMWI

  (13)      Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Grafik sihe "Fachbegriffe" unter dem Stichwort "Energiepreise"

  (14)      Quelle: Verivox

 

 

         

 

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